03.08.17

10 STATEMENTS ZU KONDENSATOR- UND DYNAMIKMIKROFONEN

In diesem Artikel geht es um gängige Missverständnisse in Bezug auf Dynamik- und Kondensatormikrofone. Es wird erläutert, warum sich Kondensatormikrofone für viele Einsatzbereiche eignen, in denen traditionell dynamische Mikrofone bevorzugt werden.

Stichworte: dynamisches Mikrofon, Kondensatormikrofon, Robustheit, benötigte Stromversorgung, Mikrofonlautstärke, akustische Rückkopplungen, Umgang mit hohen Schalldruckpegeln, Einfluss von Last
Vom Audioexperten Eddy B. Brixen

Die Diskussion über die Vor- und Nachteile von dynamischen Mikrofonen und Kondensatormikrofonen ist ein immerwährendes Thema. In diesem Zusammenhang müssen wir ein paar Dinge klären: Der Unterschied zwischen dynamischen Mikrofonen und Kondensatormikrofonen liegt darin, dass bei den beiden Mikrofontypen unterschiedliche Wandlerprinzipien zum Einsatz kommen. Die Richtcharakteristik von Mikrofonen spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Daher sind folgende Fragen nicht relevant: „Welche Richtcharakteristik haben dynamische Mikrofone?“ oder „Welche Mikrofone haben eine stärkere Richtcharakteristik – Dynamik- oder Kondensatormikrofone?“

Wie bereits gesagt, liegt der Unterschied allein in den Wandlerprinzipien. Sowohl Dynamik- als auch Kondensatormikrofone haben eine Membran, die abhängig von der Bewegung der sie umgebenden Luft schwingt. Diese Luftbewegung ist der Klang, der vom Mikrofon erfasst wird. Das Mikrofon muss diese Schwingung der Membran von einem akustischen in ein elektrisches Signal umwandeln. Hier kommt der Wandler ins Spiel. Die einzelnen Mikrofontypen unterscheiden sich hinsichtlich der Eigenschaften dieses Wandlers.

Kommen wir nun zu den 10 gängigen Statements und deren Wahrheitsgehalt ...

 

1. Dynamische Mikrofone sind robuster als Kondensatormodelle (nicht unbedingt zutreffend)

Viele Mikrofone sind relativ empfindlich und nur für den Einsatz im Studio vorgesehen. Dies gilt sowohl für Dynamik- als auch für Kondensatormikrofone. Gelegentlich werden solch empfindliche Mikrofone aber auch auf Tourneen von Musikern eingesetzt. Ausgesprochene Studiomikrofone gelten häufig als nicht robust genug für den Einsatz auf Tour. Das gilt beispielsweise für Modelle mit Röhren oder anderen empfindlichen Komponenten. Anders liegt der Fall bei hochwertigen Solid-State-Kondensatormikrofonen, die die Beanspruchung auf einer Tournee ebenso gut meistern wie jedes robuste dynamische Mikrofon. Tatsächlich übersteht die leichte Membran eines Kondensatormikrofons stärkere Stöße oder Herunterfallen besser als ein dynamisches Mikrofon mit beweglicher Spule. Dies liegt an der Masse des mit der Spule verbundenen Membransystems eines dynamischen Mikrofons. Darüber hinaus wirkt sich beim Herunterfallen auf den Boden auch das größere Gewicht des dynamischen Mikrofons aus.

 

2. Dynamische Mikrofone brauchen keine Stromversorgung (teilweise zutreffend)

Die große Mehrheit der dynamischen Mikrofone kommt ohne Stromversorgung aus – es gibt jedoch Ausnahmen. Kondensatormikrofone benötigen grundsätzlich irgendeine Form der Stromversorgung. Diese versorgt hauptsächlich den Impedanzwandler. Bei Nicht-Elektret-Kondensatoren lädt sie die Elektroden (Membran und Gegenelektrode). Aktive dynamische Mikrofone brauchen ebenfalls eine Stromversorgung.

 

3. Kondensatormikrofone sind lauter als dynamische Mikrofone (nicht zutreffend)

Ein Mikrofontyp ist nicht grundsätzlich lauter als ein anderer, dies hängt allein von der Empfindlichkeit ab. Im Allgemeinen weisen Kondensatormikrofone eine höhere Empfindlichkeit auf als dynamische Mikrofone. Die Empfindlichkeit eines Mikrofons sollte immer passend zum jeweiligen Einsatzbereich ausgewählt werden. Muss das Mikrofon hohe Schalldruckpegel (SPL) bewältigen, sollte es geringe Empfindlichkeit haben – unabhängig davon, ob es sich um ein Kondensator- oder Dynamikmodell handelt.

 

4. Bandsounds lassen sich mit dynamischen Mikrofonen leicht abnehmen (nicht zutreffend)

Diese Meinung ist weniger auf Fakten und mehr auf das Festhaltenwollen an althergebrachten Methoden zurückzuführen. Unabhängig vom Mikrofontyp müssen in erster Linie die technischen Daten und der jeweilige Einsatzbereich bedacht werden. 
In manchen Fällen wird argumentiert, der Frequenzbereich oder der Öffnungswinkel seien zu groß. Manchmal ist die Reduzierung der Bandbreite mit einem Kondensatormikrofon tatsächlich einfacher als die Aussteuerung eines dynamischen Mikrofons. Im Allgemeinen ist die Richtcharakteristik von Kondensatormikrofonen mindestens so gut wie die von dynamischen Mikrofonen. Aber wie immer gilt: Entscheidend ist nicht der Wandlertyp, sondern die Auswahl des passenden Mikrofons für die jeweilige Aufgabe.

 

5. Kondensatormikrofone lassen sich leichter speisen (nicht unbedingt zutreffend)

Wie bereits mehrfach gesagt, geht es in erster Linie um die Auswahl des richtigen Mikrofons. Ein häufiger grundlegender Fehler besteht in der Auswahl eines Kondensatormikrofons, das für die Abnahme aus größerer Distanz vorgesehen ist. Bei der Verstärkung kann dies zu Niederfrequenz-Feed führen. Stattdessen sollte ein Tiefpass-/Hochpassfilter oder ein spezielles Bühnenmikrofon verwendet werden.

 

6. Dynamische Mikrofone verkraften höhere Schalldruckpegel (SPL) als Kondensatormikrofone (nicht zutreffend)

Im Allgemeinen können Kondensatormikrofone extrem hohe Schalldruckpegel bewältigen. Die Frage ist hier eher, ob der Vorverstärker des Mikrofons stark genug ist für den Input.

Ein extrem lauter Sänger kann Schalldruckpegel im Bereich von 150 dB erzeugen (gemessen an den Lippen). Bei zwei Mikrofonen mit einer Empfindlichkeit von 1 mV und 10 mV (Mikrofonausgang bei Schalldruckpegeln von 94 dB bzw. 20 μPa) ergeben sich Output-Spitzenwerte von 0,63 und 6,3 V. Signale dieser Stärke sollten über den Line Input verarbeitet werden oder es muss eine Signaldämpfung stattfinden.

 

7. Dynamische Mikrofone verändern ihren Klang abhängig von der Last (in einigen Fällen zutreffend)

Dies gilt für passive dynamische Mikrofone, die durch eine sehr geringe Impedanz terminiert werden. (Grundregel: Das Mikrofon sollte mit einer Last terminiert werden, die mindestens 5- bis 10-mal höher ist als die Ausgangsimpedanz des Mikrofons). Der Grund hierfür liegt in der Physik der beweglichen Spule. Eine hohe Last (= niedrige Ω) wirkt sich ähnlich aus wie ein Kurzschluss und reduziert den Niederfrequenz-Output des Mikrofons. Letztlich können dabei auch hohe Frequenzen reduziert werden. Ein Problem ist dies in der Regel nur bei schlechter Abmischung. Allerdings können passive Splits – ein Mikrofon an zwei oder mehr Eingänge – zum selben Problem führen.

 

8. Die Verwendung dynamischer Mikrofone ist kostengünstiger als die Verwendung von Kondensatormikrofonen (in gewisser Weise zutreffend)

Wenn das Ziel der Mikrofonverwendung darin besteht, das Mikrofon zu zerstören, sollte man ganz einfach das billigste verfügbare Gerät kaufen. Wenn man die Kosten für den Ersatz von stark beanspruchtem Equipment reduzieren möchte, kann man sich für ein günstiges Mikrofon statt für ein Modell zu einem Preis von 1.000 € entscheiden. Wirtschaftlich gesehen ist das vielleicht klüger, aber mit Sicherheit auch mit Einbußen bei der Klangqualität verbunden.

 

9. Kondensatormikrofone werden nur aufgrund des Veblen-Effekts gekauft (manchmal zutreffend)

Veblen-Effekt: Verbraucher kaufen teure Produkte, auch wenn günstigere Versionen zur Verfügung stehen. Im Audiobereich betrifft dieser Veblen-Effekt Nutzer, die einen Prestigegewinn darin sehen, mehr Geld auszugeben, als sie müssten. Die meisten Toningenieure müssen allerdings Budgets und Anforderungen miteinander in Einklang bringen und entscheiden sich deshalb für solche Produkte, die ihren Bedarf möglichst kostengünstig erfüllen.

 

10. Ich brauche keine Kondensatormikrofone, weil meine PA perfekt ist (nicht unbedingt zutreffend)

Wenn das übrige PA-/Verstärkersystem erstklassig ist, warum sollten es dann nicht auch die Mikrofone sein?

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