2021.01.07

TIPPS ZUR VERBESSERUNG DER SPRACHVERSTÄNDLICHKEIT BEI VERSTÄRKUNG DER STIMME

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Beim Hören von verstärkter oder aufgenommener Sprache, hängt die Verständlichkeit des Gesprochenen – oder Gesungenen – von mehreren Faktoren ab, wie bspw. der Qualität der Aufnahme und der Mikrofone, dem Wiedergabesystem, der Raumakustik, Hintergrundgeräuschen und vielem mehr.
Wenn Stimme verstärkt oder aufgenommen und später wiedergegeben wird, besteht das Risiko, dass einige wichtige Informationen des Audiosignals dabei auf der Strecke bleiben. Glücklicherweise können wir dank ein paar hilfreicher Tipps und einem gewissen Verständnis der Faktoren, die Einfluss auf die Sprachverständlichkeit haben, das Risiko minimieren und einen sauberen, verständlichen Ton gewährleisten.
 
Dieser Artikel wird einige Punkte ansprechen, die einen negativen Einfluss auf die Sprachverständlichkeit haben, und einige Lösungen aufzeigen für die Probleme, die auftreten können.

 

Platzierung

Eine sprechende Person wendet sich meist direkt an den Zuhörer, schaut ihn also an. Eine private Konversation findet in der Regel bei einem Abstand von etwa 1 m statt. Dies wird als „normale“ Entfernung angesehen und als normaler Sprachklang wahrgenommen. Sich unter oder hinter den Sprecher zu bewegen, verändert den Klang und beeinträchtigt die Verständlichkeit. Hinter einer sprechenden Person zu stehen und ihr zuzuhören ist nicht ideal, aber selbst eine Positionierung unterhalb des Mundes wie z.B. an der Brust birgt einige Herausforderungen für die Verständlichkeit. Das liegt daran, dass der Frequenzbereich von 2 kHz bis 4 kHz, in dem die wichtigen Konsonanten vorherrschen, bei dieser Position auf der Brust unterdrückt wird. Der Klang wird oft so wahrgenommen, als ob er aus der Brust stammt. Das ist aber NICHT der Fall. Das Phänomen „Brustschall“ wird akustisch durch die Absorption des Körpers und der Kopfform hervorgerufen. Der Ton wird von den Stimmbändern generiert und der Schallpegel liegt über dem, der durch die (kleinen) Vibrationen der Brust erzeugt wird.

Die folgende Abbildung zeigt die Frequenzen der Stimme ober- und unterhalb des Mundes, bei denen die horizontale 0°-Achse als normalisierter Referenzpunkt dient.


(Quelle: Chu, W.T.; Warnock, A.A.C.: Detailed Directivity of Sound Fields Around Human Talkers.)

Erfahre hier mehr über den Einfluss verschiedener Mikrofonplatzierungen auf die Stimme.
 

Konsonanten und Vokale

Sprache besteht sowohl aus Konsonanten als auch Vokalen. Konsonanten verfügen über hohe Frequenzanteile, während Vokale mehr tiefe Frequenzanteile bieten. Vokale klingen oft weich, Konsonanten eher hart, aber das kann von Sprache zu Sprache unterschiedlich sein. Der Konsonant W klingt im Englischen nicht so hart. Dieser Artikel wird sich auf die hart klingenden Konsonanten wie F-K-T-S konzentrieren.

Wenn wir unsere Stimmen erheben, fügen wir dem gesamten Wort Energie und Lautstärke hinzu. Wir sind nicht dazu imstande, den Konsonanten viel Lautstärke oder Energie hinzuzufügen, aber bei Vokalen fällt uns das leicht. Wenn Du den Klang des Buchstaben T schreist, erhöhst Du den Pegel des Vokals E im Wort TEE. Versuche es. Schrei einfach [T]… nicht besonders laut. Jetzt flüstere ein [T]. Das war einfach. Schreist Du den Vokal A, ist er leicht zu hören und zu verstehen. Wenn der Vokal nur geflüstert wird, verliert er an Gewicht.

Wenn wir unsere Stimmen erheben, um besser verstanden zu werden, sind die Pegelunterschiede zwischen den schwachen Konsonanten und den lauten Vokalen entscheidend für die Sprachverständlichkeit. Die Konsonanten werden hinter den Vokalen verdeckt oder erstickt. Bei einem Flüstern geschieht das Gegenteil: die Vokale treten in den Hintergrund. Um die Verständlichkeit also zu maximieren, behalte Deine Stimme auf normalen Sprachniveau.



Echo oder Hall (Raumakustik)

Ein weiterer Faktor, der die Sprachverständlichkeit beeinträchtigen kann, ist Echo oder Hall. Echos treten auf, wenn Schall ein- oder mehrfach als Reflexion des Originalsignals von harten Oberflächen zurückgeworfen wird. Wenn Du gegen eine harte, reflektierende Oberfläche sprichst oder einen Lautsprecher dagegen ausrichtest, wird der Schall zu Dir zurückgeworfen. Gibt es viele reflektierende Oberflächen, werden die Wiederholungen als Hall wahrgenommen, was schließlich die Sprachverständlichkeit in Mitleidenschaft zieht. Ein wenig Nachhall kann für Gesang schön sein, ist aber selten gut für Sprache, wenn eine Botschaft wichtiger ist als ein schöner Klang. In einigen Fällen ist der Hall so dominant, dass die akkumulierten Reflexionen den Direktschall des Sprechers übertönen. Eine große Kathedrale mit vielen harten Oberflächen und wenig bis keiner Absorption ist oft sehr hallstark, was die Sprachverständlichkeit beeinträchtigt. Schall wird als Echo wahrgenommen, wenn die Zeit zwischen den Wiederholungen über 50 ms beträgt (~ 17 Meter).
 


Verzerrung

Wenn Schall verstärkt oder aufgenommen und wiedergegeben wird, sollten die gleichen Überlegungen angestellt werden. In diesem Fall besteht jedoch ein noch größeres Risiko, die Sprachverständlichkeit zu beeinträchtigen.

Verzerrungen sind leider recht häufig. Wenn nicht die Möglichkeit bestand, die gleiche Audiokette in einem unverzerrten System zu hören, kann es schwierig sein, die Verzerrung und das, was den Sound beeinflusst, herauszuhören. Eine Verzerrung tritt auf, wenn ein Glied in der Audiokette nicht in der Lage ist, die von der Stimme erzeugten Pegelspitzen zu verarbeiten. Die Verzerrung kann durch Geräte minderer Qualität verursacht werden oder Geräte, die nicht korrekt eingerichtet sind.
 
Stimme kann sehr laut und sehr leise sein. Um beide Enden des Pegelspektrums verarbeiten zu können, benötigst Du Audiosysteme, die Schall vom Flüstern bis hin zu lautem Schreien oder sogar Brüllen verarbeiten können.

Die Pegeleinstellung für die Audiokette, die Verarbeitung des Schalldruckpegels (SPL) und die Empfindlichkeit der verwendeten Mikrofone sind einige der Schlüsselelemente, die Du bei der Arbeit mit der menschlichen Stimme berücksichtigen musst.

 

Hintergrundgeräusche (akustisch)


Unerwünschte Hintergrundgeräusche, einschließlich Musik, können die Sprachverständlichkeit beeinflussen. Wenn sich andere Schallquellen im Raum befinden, besteht die Möglichkeit, dass diese Schallquellen Teil des hörbaren Spektrums sind, in dem sich auch die Stimme befindet. Stell Dir vor, die Person, der Du zuhören möchtest, steht neben einem vorbeifahrenden Zug. Das Hintergrundgeräusch ist lauter als die Sprache. Ein weniger drastisches Beispiel ist das Geräusch des Lüfters Deines Computers oder das Tippen auf dem Keyboard, wenn Du an einem Online-Meeting teilnimmst. Diese Geräusche können im Meeting störend sein und die Verständlichkeit dessen, was Du oder die anderen sagen, beeinträchtigen.

Es gibt weitere Faktoren, die die Sprachverständlichkeit beeinflussen können. Die in diesem Artikel genannten Faktoren sind jedoch am häufigsten und am einfachsten zu korrigieren.

 
 

Lösungen

 

Konsonanten und Vokale

  • Bringe Konsonanten und Vokale ins Gleichgewicht – schreie nicht!
  • Füge Pausen ein. Sprich langsam, gib den Konsonanten Zeit und Raum.
 

Echo, Hall (Raumakustik)

  • Arbeite mit Absorptionsmaterial, um Reflexionen zu vermeiden.
  • Winkele reflektierende Oberflächen an, damit Reflexionen nicht direkt zu der Schallquelle zurückgeworfen werden.

 

Verzerrung (elektrisch)

  • Wähle ein Mikrofon, das sowohl leise als auch laute Stimmen verarbeiten kann.
  • Überwache die Verstärkungseinstellung des Mikrofoneingangs – am Mixer oder Drahtlos-System
 

Hintergrundgeräusche (akustisch)

  • Schließe Fenster.
  • Schalte Lüfter ab, die hörbare Geräusche oder Wind auf das Mikrofon verursachen können.
  • Wähle ein Mikrofon, das nahe am Mund platziert werden kann, z.B. ein Headset oder ein Podiumsmikrofon.
 

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