01.12.18

7 Punkte zur Arbeit mit Ton in der Filmindustrie

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Es gibt viele Wahrheiten (und einige Mythen) über die Arbeit einer Ton-Crew in der Filmindustrie. Es ist eine herausfordernde Umgebung, also habe ich einige meiner Gedanken sowie Tipps und Tricks zusammengetragen, die ich im Laufe meiner Jahre in diesem Business gelernt habe. Von Antoin Cox, Aufnahme-Ingenieur und DPA Master

1. Ton hat oft eine untergeordnete Priorität

Oft hört man Ton-Crews davon reden, welche geringe Rolle der Ton in einem Filmset einnimmt. Aber stimmt das wirklich? Ja, es fühlt sich tatsächlich so an, aber wird der Ton wirklich so gering geschätzt, oder sinken auch die Budgets anderer Abteilungen? Wichtige Frage!

Das Problem ist, dass viele Leute am Set etwas über Ton wissen sollten - die Produktions- und Kamerateams, Regisseure, usw. Die Wahrheit ist, dass sich üblicherweise nur die Ton-Crew auf Ton versteht - die anderen Crewmitglieder nehmen ihn nicht wirklich wahr. Sie sind alle auf die visuelle Qualität am Set fixiert und überlassen den Ton, den sie nicht wirklich verstehen, uns Ton-Leuten.

Die Filmcrew muss dem Toningenieur vertrauen. In den letzten Jahren habe ich mit vielen Regisseuren zusammengearbeitet. Manche mögen den Ton, manche hassen ihn. Einige denken, es sei einfach, andere denken, es sei schwierig. Einige verstehen ihn, andere haben keine Ahnung.

Persönlich arbeite ich gerne mit Regisseuren und Produzenten zusammen, die Ton mögen, ihn brauchen, die Vorteile von guten Tonaufnahmen erkennen und ihn verstehen. Diese Personen drehen nicht, wenn der Ton noch nicht fertig ist oder wenn die Natur nicht mitmacht. Und wenn sie drehen müssen, reden sie mit Dir darüber und entschuldigen sich, wohlwissend, dass der aufgenommene Ton nicht optimal sein wird.

Am anderen Ende des Spektrums gibt es Individuen, die der Meinung sind, alles in der Postproduktion lösen zu können. Sie drehen einfach und gehen davon aus, dass sie es später reparieren können. In der Postproduktion sind sie oft sauer auf die Ton-Crew wegen der schrecklichen Aufnahmen.

Manchmal fragen mich die Leute aus der Postproduktion, warum einige Projekte, die ich aufgenommen habe, besser klingen als andere. Ich erkläre dann, dass ich alleine keinen tollen Sound erschaffen kann. Ich brauche dazu den Regisseur, den Bildregisseur, den Produktionsdesigner und den ersten Regieassistent für echte Klangqualität.



2. Du wirst eine Menge unkonventionelles Zubehör brauchen

Meine Crew und ich müssen täglich aufs Neue kreativ werden um sicherzustellen, dass wir unsere Mikrofone nicht nur optimal für die Tonaufnahme platziert haben, sondern auch möglichst unsichtbar.




Pflanzenmikrofone: Das Anbringen ist immer eine Herausforderung bei diesen Mikrofontypen. Sie müssen sicher platziert werden und sie müssen an der richtigen Stelle sitzen, um den bestmöglichen Sound einzufangen. Sie müssen versteckt und auch korrekt ausgerichtet sein. Sicherzustellen, dass jede Anforderung erfüllt wird, ist äußerst schwierig. Um zu gewährleisten, dass ich immer das dabei habe, was ich benötige, bringe ich immer zwei Kisten mit reichlich Haltematerialien mit. Ich benutze auch viele Akustikmaterialien wie Teppiche, Vorhänge, Schaumstoff, Filz, etc.

Radiomikrofone: Das Mikrofonieren eines Schauspielers erfordert zahlreiche Fähigkeiten, die über das Verständnis für Ton hinausgehen. Du musst sozialkompetent, einfallsreich und schnell sein. Fast alles, was ich für die Mikrofonie am Set verwende, ist unkonventionelles Zubehör - Körperband, Gürtel, doppelseitiges Klebeband, Gurte, Büroklammern, etc. Denke dran, eine große Werkzeugkiste gefüllt mit einer breiten Materialauswahl ist Dein Freund am Set.
  
 

3. Nicht genug Zeit für die Platzierung der Mikrofone

Wenn die Besetzung bereit ist, dann ist sie bereit... für die Aufnahme. Wenn sie erst einmal aus Kostüm und Maske kommen, haben wir sehr wenig Zeit, die Mikrofone anzubringen. Die meisten aus Cast und Crew haben immer den Eindruck, dass Ton zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Es bleibt so gut wie nie die Zeit für einen ordentlichen Test vor Dreh oder Probe, sodass wir oft zwischen den Takes herumlaufen und nachbessern.

Meiner Meinung nach ist es oft besser, zu den Trailern raus zu gehen und die Schauspieler dort zu verdrahten. Hole Dir ein viertes Ton-Crew-Mitglied für die Verkabelung, das bringt viele Vorteile! Er / Sie kann im Dorf bleiben um alle zu verkabeln, bevor sie zum Set kommen. So sind sie schon fertig, wenn sie das Set erreichen.

Bevor ich ein neues Projekt beginne, nehme ich mir die Zeit, die Kostümabteilung kennen zu lernen. Ich stelle sicher, dass wir eine gute Beziehung aufbauen und bereit sind für eine Zusammenarbeit. Versuche zu arrangieren, dass die Besetzung immer erst verkabelt wird, wenn sie aus der Ankleide kommt. Auf die Art weißt Du, was auf Dich zukommt. Das Spart Zeit am Set - keine Überraschungen, keine Nachjustierungen.

4. Aufwändige Kostüme sind schwer zu mikrofonieren

Im Idealfall bereite ich ein Kabel in einem Kostüm vor. Das benötigt zwar etwas Vorbereitungszeit, aber es lohnt sich. Daher empfehle ich, dass Du Deinem Produzenten sagst, dass Du Zeit für die Vorbereitung brauchst. Auf die Art lässt sich ein Mikrofon viel schneller und stressfreier einrichten (sowohl für die Ton-Crew als auch die Besetzung). Auch wenn der Ton bei Dir oberste Priorität hat, musst Du sicherstellen, dass die Besetzung entspannt ist. Dann beschweren sie sich auch nicht bei einer anderen Crew über Kabel.

In Verbindung hiermit ist das Kostümgeräusch heutzutage ein großes Problem. Wieder gilt es, eine gute Beziehung zur Kostümabteilung zu haben. Auf diese Weise kannst Du ihnen bewusst machen, dass Rascheln von Kleidung in der späteren Produktion zu einem großen Problem werden kann, das jedoch im Vorfeld bereits gemindert werden kann. Vielleicht haben sie Möglichkeit, schon beim Entwerfen der Kostüme ein bisschen zu zaubern - für ruhige Szenen könnten sie relativ leise Stoffe wählen und das laute Zeug für Actionsequenzen lassen.
 


5. Es ist schwierig, lebende, atmende Schauspieler zu mikrofonieren

Mit einigen Schauspielern kann man leichter umgehen als mit anderen. Einen Schauspieler zu mikrofonieren kann sich von mal zu mal erheblich unterscheiden. Manchmal übernimmt das einer meiner Ton-Assistenten, manchmal ein Kostüm-Assistent, manchmal der persönliche Assistent des Schauspielers. Der Schauspieler hat an dieser Stelle erheblich mitzureden. Manchmal möchte der Schauspier überhaupt nicht berührt werden während des Mikrofoniervorgangs. Das kann schwierig sein.

Ich habe herausgefunden, dass ich gut damit fahre, vor allem zu Beginn der Dreharbeiten den Schauspieler mit bis zu fünf Leuten um uns herum mikrofoniere. So stelle ich sicher, dass sie mit dem Prozess vertraut sind. Außerdem kann ich auf diese Weise direkt vor dem persönlichen Assistenten die richtige Anbringung des Mikrofons am Schauspieler vermitteln. Das ist von Vorteil, wenn die Ton-Crew später nicht mehr die Mikrofone anbringen darf und wir uns auf das Wissen des persönlichen Assistenten verlassen müssen.

Es ist auch eine gute Idee, das Mikrofon vor den Augen des Schauspielers zu reinigen, aber das dauert seine Zeit. Normalerweise mache ich das vor dem Mikrofonieren. Denke daran, dass das Kabel irgendwann vom Reinigen austrocknet und steif und wellig werden kann. Nicht zu viel reinigen!

6. Defekte treten auf!

Kabel und Stecker brechen - wir arbeiten an einem Live-Filmset. Dies ist oft der Fall, wenn Schauspieler versuchen, das Mikrofon abzunehmen oder es zwischen den Einstellungen auszuschalten. Wenn das einmal passiert ist, gibt es oft schlechte Stimmung am Set (weil es Zeit kostet), die so schnell wie möglich behoben werden muss.

Wenn ein Kabelbruch auftritt, versuche zuerst das Problem zu beheben, bevor Du den Schauspieler wieder verkabelst. Dann höre Dir den Ton an, sobald Du fertig bist (sodass der Schauspieler weiß, dass es funktioniert). Das minimiert die Zeit, die Du technisch mit den Darstellern zugange bist, und sie können sicher sein, dass alles wieder funktioniert. Vergiss nicht, ihnen mitzuteilen, sobald alles wieder in Ordnung ist, damit sie sich sicher fühlen.

 

7. Der Preis ist oft ein Problem

Ich denke, dass die Preisbildung für Filmton öfter ein Problem darstellt als in TV- / Live-Situationen. Das liegt daran, dass wir oft die Eigentümer / Käufer unserer Ausrüstung sind und sie an die Produktion vermieten. In diesem Fall ist es meine eigene Entscheidung, was ich mir zulege. Meine Mietgebühr bleibt fast gleich, ob ich DPA-Mikrofone oder einen Mitbewerber kaufe. Bei der Filmproduktion geht es zuerst um Quantität, dann um Qualität. Es hat nie eine Zeit gegeben, dass mich der Produzent gefragt hat, welche Ausrüstung ich verwende. Sie wissen es nicht und es ist ihnen egal. Sie interessieren sich nur dafür, wie viele Spuren ich aufzeichnen kann und wie viele Anschlüsse ich auf meinem Mixer-Board habe. Sie schieben gerne Fader und müssen wissen, wie viele Drahtlos-Sender ich im Gepäck habe. Für die ist es am wichtigsten, dass Du schnell und unauffällig arbeitest, aber natürlich musst Du mit der bestmöglichen Ausrüstung daherkommen. Sie kennen weder die Marken noch die wirklichen Bedürfnisse.

Das Gleiche gilt nicht für Redakteure, PostPro-Ton-Crews, Dialogeditoren und Re-Recording-Mixer - die wollen alle wissen, womit Du arbeitest. Wenn Du da DPA erwähnst, sind sie erfahrungsgemäß sehr glücklich. Sie schätzen auch andere hochwertige Mikrofone, aber sie genehmigen nie billige Marken, denn sie mögen den Sound nicht, der in ihre Mischpulte kommt.

Die Post-Leute reden viel mit den Produzenten und Regisseuren über den Ton und die Qualität meiner früheren Filmaufnahmen. Sie geben echtes Feedback über die Produktions-Spuren an die Leute, die später anheuern. Gute Ausrüstung ist super wichtig!

 

Über Antoin Cox

1999 absolvierte Antoin einen Abschluss in Sound Design und Production Sound Recording und begann die Arbeiten an seinem ersten Spielfilm. Seit 2004 konzentriert sich Antoin auf die Produktion von Tonaufnahmen zu Spielfilmen, darunter internationale Filmprojekte in Europa, den USA und vielen anderen Orten und Gegebenheiten. Er ist auch Mitglied der Cinema Audio Society.


 

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